THEATERSOMMER NETZEBAND

Zwischen Hamburg und Berlin liegt das kleine Dorf Netzeband. Umgeben von weiten Feldern und lichten Wäldern. Ein Sehnsuchtsort für alle Gestressten. Doch dieses Dorf ist mehr als nur ein ruhiges Dorf:

Unterhalb der Netzebander Temnitzkirche erstreckt sich auf dem Grün des Gutsparks – umgeben von uralten Eichen – eine beeindruckende Open Air Bühne.

Die Optik ist genial, die Akustik fast unmöglich.

So entstand die Idee, Ton und Bild getrennt voneinander zu produzieren, um sie anschließend  auf der Bühne wieder zusammen zu führen. Auf diese Weise kreierte Frank Matthus 2006 – mit seiner Inszenierung von Shakespeares Macbeth – das Synchrontheater.

Der Stücktext wird wie ein Hörbuch aufgenommen und dann als Soundinstallation in den Raum projiziert. 

Die Darsteller erhalten überdimensionale, kunstvolle Masken, die nicht nur das Gesicht vergrößern, sondern auch den Emotionen und dem Charakter der jeweiligen Figur bildliche Überhöhung verleihen. Die Darsteller bewegen sich synchron in einer artifiziellen Bewegungschoreographie zum Text.

Das Spiel unter der Maske ist wie ein innerer Tanz.

Bekannte Schauspieler wie Corinna Harfouch, Tom Quaas, Gerd Silberbauer, Siemen Rühaak oder Daniele Ziegler haben dem Netzebander Theatersommer schon ihre Stimmen geliehen – im Masken-Tanz-Theater umgesetzt dann vom Netzebander Profi-Ensemble um Andreas Klein, Birgit Schneider, Hans Machowiak, Cornelia Jahr, Samuel Johannes Saarschmidt und Daria Monciu.

Prinzip ist aber  auch, dass Laiendarsteller aus der Region, Jugendliche aus dem Dorf, Abiturienten aus den Neuruppiner Gymnasien teils große Rollen auf der Bühne übernehmen. Durch das Synchrontheater entsteht immer ein artifizielles künstlerisches Produkt. So wächst das Ensemble und gedeiht in alle Richtungen… Komisch lustvoll, tragisch düster, heiter schräg und dabei immer unkonventionell eigensinnig.

Szenische Vorgänge können so optisch weit transportiert werden und ziehen das Publikum mitten hinein ins Geschehen. Auf „Macbeth“ folgte 2008 – 2010 die Nibelungen-Trilogie (Text und Regie Frank Matthus). Seitdem gibt es jedes Jahr eine neue Synchrontheater-Produktion, die das ganze Dorf zusammen bringt.

So ist und bleibt Netzeband ein Mikrokosmos aus Kultur und Natur und Menschen und ihren Geschichten.

Der Gutspark mit der Temnitzkirche
©Foto: Hans Machowiak
Masken von Ellernklipp 2019 von Jana Fahrbach
©Foto: Hans Machowiak
Unter dem Milchwald – unser Klassiker
©Foto: Veronika Zohová
Die große Bühne im Park
© Foto: Uwe Hauth Photography
Frank Matthus – Intendanz
© Foto: Uwe Hauth Photography
Der Geizige von Molieré mit Masken von Dirk Seesemann – Regie: Christine Hofer
©Foto: Veronika Zohová

Die Welt ist ein Dorf. Das Dorf ist die Welt.

Christhard Läpple
Ellernklipp 2019 von Theodor Fontane – Regie Frank Matthus
©Foto: Veronika Zohová
Ellernklipp 2019 – Regie: Frank Matthus
©Foto: Veronika Zohová
Bluthochzeit 2020 – Regie: Herbert Olschok
© Foto: Uwe Hauth Photography
Bluthochzeit 2020
© Foto: Uwe Hauth Photography
Der Gutspark im Morgenlicht
©Foto: Hans Machowiak
Das Ellernklipp Ensemble 2019
©Foto: Veronika Zohová

Man kann Theater nicht schöner erleben, als dass man es selbst macht.

Frank Matthus
Unter dem Milchwald – von Dylan Thomas
©Foto: Veronika Zohová
Abend in Netzeband
© Foto: Hans Machowiak

Übrigens: 1996 inszenierte der Regisseur und Bühnenbildner Jürgen Heidenreich erstmals – mit einem Textband und dazu visualisierter, synchronisierter Szenen – das Stück Unter dem Milchwald von Dylan Thomas.

Er benutzte allerdings nicht die Maske als Kunstmittel, um die Gesichter zu abstrahieren, sondern schuf 53 überlebensgroße Figuren, die auf der Szene geführt werden. Seitdem ist Unter dem Milchwald unser Traditionsstück, mit dem der Theatersommer jedes Jahr beginnt.